Bislang habe ich sämtliche Panoramax-Fotos auf dem Fahrrad aufgenommen. Bis zu den ersten fehlerfreien Bildern vergingen 2 Testfahrten, bis zur Optimierung hinsichtlich Akkumanagement, Aufnahmestart und -stopp sowie Kopfhaltung weitere 2 Fahrten. Nachfolgend fasse ich daher meine Erfahrungswerte und Best Practices zusammen. Fehler sind selten fatal, die Fotos können dennoch verwendet werden, sind aber u.U. unvollständig, verwackelt, verrauscht, unterbelichtet oder schief.
Montage und Ausrichtung am Helm
Die Befestigung der Kamera direkt auf dem Helm ist in meinen Augen für die Mehrheit aller Beitragenden die beste Lösung. Die Standard-Dreifach-Halterung von GoPro wird mittels Klettbänder oder Kabelbinder fest mit den Lüftungsschlitzen des Helms verbunden. Die Kamera wird mittig und aufgesetzt.
Die kamerainterne Horizontstabilisierung gleicht Neigungen primär entlang des vorderen und hinteren Horizonts aus. Selbst bei schiefer Positionierung ist der Horizont bei Blick nach vorne und hinten daher meist gerade. Die Ausrichtung des seitlichen Horizonts ist hiervon allerdings nicht betroffen. Ist die Kamera nach vorne oder hinten geneigt, erscheint das Bild vorne und hinten korrekt, wird an den Seiten jedoch schief. Diese Neigung kann das Bild z.T. unbrauchbar machen. Eine nachträgliche Bearbeitung ist durch spezielle Software zwar möglich, aber umständlich und v.a. unnötig. Vor der ersten Fahrt sollte man also unbedingt 5 Minuten investieren, um zusammen mit einer zweiten Person oder mit mehreren Selfies die richtige Kameraposition festzustellen.
Die Linsenachse muss parallel zur Fahrtrichtung stehen. Der Kopf ist während der Aufzeichnung stets nach vorn gerichtet zu halten. Davon unberührt bliebt natürlich der obligatorische Schulterblick. Alternativ kann ein Lenkerspiegel unter Opferung der Fahrradoptik genutzt werden.
Kamera-Konfiguration & Parameter
- Aufnahmemodus: 360°-Bild. Intervall-Foto (equirektangulär). Intervalldauer: 2 Sekunden. Verzögerung vor Start: 3 Sekunden.
- Belichtung: Automatisch (scharf bis ca. 50 km/h, bei Autofahrern ggfs. verringern)
- Signalton: Maximale Lautstärke, sonst hört man mit Kopfhörern ggfs. nichts.
- Auslöser: QuickCapture / Taste oben rechts
GPS-Fix und Sequenzsteuerung
Voraussetzung für die Annahme der Daten durch Panoramax ist eine vorhandene und genaue Georeferenzierung.
- GPS-Vorlaufzeit: Nach dem Einschalten benötigt das interne GPS-Modul der GoPro Max etwa 30 bis 60 Sekunden für einen stabilen Fix. Die Aufnahme darf erst nach erfolgreicher Satellitenkopplung gestartet werden; andernfalls verweigert Panoramax den Import mangels valider Koordinaten. Ich habe bislang noch keine Mitteilung auf dem Display erkennen können, die die erfolgreiche Verbindung anzeigt. Ich warte einfach immer 1 Minute. Das GoPro-Modul arbeitet zuverlässiger und präziser als mein Smartphone (Google Pixel 9a).
- Sequenzlogik: Jede Straßeneinheit sollte als geschlossene, zusammenhängende Sequenz erfasst werden. An logischen Streckenenden wird die Aufnahme gestoppt und für den nächsten Abschnitt neu initiiert. Doppelbefahrungen derselben Straße sind zu vermeiden.
- Verhalten an roten Ampeln: Die Aufzeichnung wird bei temporären Standzeiten nicht unterbrochen. Panoramax filtert ortsgleiche Bildduplikate automatisiert heraus; verbleibende Redundanzen lassen sich im Web-Interface bereinigen.
Äußere Bedingungen & Lichtverhältnisse
Der 1/2,3-Zoll-Sensor der GoPro Max ist im Vergleich zur Konkurrenz eher klein und benötigt ausreichend Umgebungslicht.
- Wetter: Fahrten sind ausschließlich bei trockener Witterung durchzuführen. Bereits feinster Nieselregen hinterlässt Wassertropfen auf den gewölbten Linsen, was zu Bildfehlern führt.
- Sonnenstand: Aufnahmen sind bis etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang problemlos möglich. Die Dämmerungsphasen am frühen Morgen und späten Abend sollten aufgrund von Bildrauschen und verlängerten Verschlusszeiten gemieden werden. Bei bewölktem Himmel mit diffusem Himmel ist eine Aufnahme ohne Qualitätseinbußen bis Sonnenuntergang möglich.
Energieversorgung und Datenvolumen
- Akkulaufzeit: Ein originaler Enduro-Akku ermöglicht unter kontinuierlicher Aufzeichnung eine Betriebszeit von ca. 90 bis 120 Minuten. Ein Ersatzakku kostet ca. 40€ und wird von mir empfohlen.
- Speicherbedarf: Das anfallende Datenvolumen liegt im 2-Sekunden-Intervallbetrieb im Regelfall unter 10 GB pro Aufnahmestunde.
Fahrzeughaltung und Navigation
Für die innerörtliche Erfassung (Wohngebiete, Industriegebiete, Fußgängerzonen, etc.) empfehle ich unbedingt ein E-Bike. Hintergrund sind die oft notwendigen Wende- und Anfahrmanöver, die auf Dauer echt anstrengend werden. Außerem ist mit Motor die Schwelle geringer, auch Berge sowie Kieswege vollständig zu erfassen. Gegenüber sportlichen Geometrien wie bei Renn- oder Gravelrädern bleibt die Kopf- und Oberkörperneigung außerdem über die gesamte Fahrtdauer konstant homogen. Zudem gewährleistet die aufrechte Haltung eine vorteilhaft erhöhte Kameraposition. Ergänzend ist eine Smartphone-Halterung am Lenker essenziell: Mit geöffnetem OpenStreetMap-Kartenmaterial und aktiver Streckenaufzeichnung lässt sich der Erfassungsfortschritt jederzeit in Echtzeit überwachen.
Neben diesem Standard-Setup führe ich auf normalen Rennradausfahrten ebenfalls die GoPro Max 2 mit, hier allerdings mit abgeänderter Kameraneigung und ohne Smartphone-Halterung. Die entstehenden Aufnahmen sind schön für die Statistik, weil sie Kilometer und Fotoanzahl nach oben treiben. Erfasst werden aber häufig nur Straßen und Fahrradwege, zurück bleiben große Bereiche nicht erfasster Ortschaften, sodass in meinen Augen eine Stunde konsequente Wohngebietserfassung mit 8km Fahrleistung höherwertiger ist als eine Stunde mit 25km Fahrleistung im Rahmen einer Rennradtour. Immerhin sind die Aufnahmen der Rennradtour besser als keine Aufnahmen!